Ärzte Zeitung, 30.01.2002

Erste Trends: Traumnoten für die Akupunktur
Bundesweite Akupunkturstudie zeigt: Bei fast 90 Prozent der Schmerzpatienten stellen Forscher Linderung fest
BERLIN (rv/cl). Wenn konventionelle Schmerzbehandlung nicht mehr greift, ist die Akupunktur in 30 Prozent aller Fälle der Rettungsanker. Doch ihre dauerhafte schmerzlindernde Wirkung ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Das wollen die GKV-Bundesverbände jetzt mit der weltweit größten Akupunkturstudie nachholen.
Bis Ende 2003 soll damit die Voraussetzung für eine Aufnahme in den Leistungskatalog geschaffen werden. Kosten: 7,5 Millionen Euro.
Die GKV folge mit der Studie einem Beschluß des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen vom Oktober 2000, erklärte Studien-Hauptinitiator Professor Norbert Schmacke vom AOK Bundesverband in Berlin. "Die Kassen sind extrem daran interessiert, den Nebel über der Akupunktur zu lichten. Nicht glauben, sondern wissen, daß sie hilft", sei wichtig.
Im März 2001 lief die Studie an. Sie wird von den Biometrischen Instituten der Universitäten Bochum, Heidelberg, Mainz, und Marburg wissenschaftlich begleitet. Bislang liegen 400 000 Einzelbehandlungsdaten von 40 000 Patienten zu den vier exemplarischen chronischen Erkrankungen Gelenkverschleiß, Spannungskopfschmerz, Migräne und Kreuzschmerz vor.
Ergebnis: Bei fast 90 Prozent der Patienten stellten die Forscher eine Linderung der jeweiligen Beschwerden fest. In mehr als der Hälfte der Fälle traten die Linderungen bereits nach weniger als zwei Wochen oder vier Behandlungen auf.
"Wir wollen Klarheit in die diffuse Struktur der bisherigen Leitlinien bringen", betont Professor Dr. Michael Zenz von der federführende Ruhr-Universität Bochum. Keine nichtmedikamentöse Methode habe eine so universelle Verbreitung in der Schmerztherapie wie die Akupunktur; keine andere sei auf diesem Gebiet aber auch so wenig wissenschaftlich untermauert.
Gegenwärtig behandeln bundesweit 40 000 Ärzte mit Akupunktur. Lediglich 15 000 verfügen über eine zertifizierte Grundausbildung. Bisher sind 7309 Prüfärzte für die Studie ackreditiert.